1. Anarchismus + Kommunismus = Freiheit + bedürfnisorientierte Wirtschaft

Kommunismus…

Die Kapitalismusanalyse von Karl Marx kann auch für AnarchistInnen hilfreich sein.

Anarchistischer Kommunismus oder auch kommunistischer Anarchismus verbindet zwei Ansprüche, zwei Traditionen, zwei Kritiken. Es wird die Kritik am Kapitalismus als profitorientierte, konkurrenzgetriebene und ausbeuterische Wirtschaftsform kritisiert. Hierbei wird sich auch auf marxistische und post-marxistische TheoretikerInnen gestützt, wie Marx, Engels, Luxemburg, Adorno, Horkheimer, Marcuse, Thompson, Hobsbawm, Bologna, Tronti, Frederici, Negri, Harvey, Holloway, Roth, usw. Und auch auf große antikapitalistische und kommunistische Bewegungen wird sich positiv, wenn auch nicht unkritisch, bezogen: ArbeiterInnenkämpfe im 19.Jahrhundert, mexikanische Revolution, russische Revoution, antikoloniale Befreiungsbewegungen usw.

…und Anarchismus

Pjotr Kropotkin begründete den kommunistische Anarchismus und fand heraus, dass die Neigung zur gegenseitigen Hilfe in der Natur eine wichtige Rolle für das Überleben der Arten spielt.

Jedoch wird immer wenn eine Bewegung zu einer unterdrückerischen Parteiherrschaft wurde der Kampf als ein gescheiterter angesehen: Die Freiheit ist nicht erreicht. Dies ist das anarchistische Moment: Unterdrückung muss bekämpft werden, egal wie sie sich nennt oder legitimiert. Eine kommunistische Parteiherrschaft ist keine Freiheit. Es braucht eine basisdemokratische Selbstbestimmung, das Recht seine Meinung zu äußern und sich zu organisieren ist fundamental! Daher wird sich auch auf wichtige anarchistische Bewegungen, PraktikerInnen und TheoretikerInnen bezogen: Machno und die Machnovchina, der Aufstand von Kronstadt, der spanische Anarchismus 1936-39, die Weltrevolte 1968, die anti-autoritären Neun Sozialen Bewegungen, Michel, Bakunin, Kropotkin, Berkmann, Goldman, Malatesta, Rocker, Mühsam, usw.

Zwei Kriterien

Emma Goldman bereiste die Sowjetunion und kritisierte diese aus anarchistischer Perspektive und brachte als eine der ersten feministische Perspektiven in die anarchistische Bewegung.

Zu einer Kritik am Kapitalismus kommt also eine Kritik an Herrschaft. Rassismus, Sexismus, Homophobie, Autoritarismus, Nationalismus und alle anderen Unterdrückungsformen müssen mit dem Kapitalismus bekämpft werden. Nur gemeinsam, in einem übergreifenden Klassenkampf, lassen sich diese miteinander zusammenhängenden Herrschaftsformen überwinden. Der Kommunismus kann nicht mit einem autoritären Staat gemacht werden, der Anarchismus nicht mit einer kapitalistischen Marktwirtschaft.

2. Eine konkrete Utopie: Anarchistischer Kommunismus

Der industrialisierteste Teil Spaniens und die Großstadt Barcelona wurden 1936-1939 großteils anarchistisch verwaltet, die Straßenbahnen in den Farben der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT gestrichen.

Eine anarchistisch-kommunistische Utopie kann kein Staatssozialismus sein und auch kein (markt-)Recht des Stärkeren. Es ist eine basisdemokratische, selbstverwaltete Gesellschaft, in der für Alle nach ihren Bedürfnissen produziert wird, von Allen nach ihren Fähigkeiten. Das ist mit der Parole „Alle für Alle (und zwar umsonst)!“ gemeint. Moderne Technik, wo sie sinnig und ökologisch ist, ermöglicht zusammen mit dem Wegfall von Waffenproduktion und Militär eine Gesellschaft, wo sich niemand um Rente, Krankenversorgung und Freizeit sorgen machen muss. Bedürfnisse werden nicht mehr künstlich geschaffen und ist gibt keine starken Reich-Arm-Unterschiede mehr: Schöne und individuell verschiedene Wohnung, gutes und kulturell diverses Essen, schicke, praktische und (sub)kulturell diverse Kleidung wird es für alle genug Geben. Das Recht auf Selbstentfaltung besteht nicht mehr nur für eine kleine Minderheit und dennoch anfallende Drecksarbeit wird auf alle Menschen gleichmäßig verteilt. Bildung wird wieder ein Grundrecht, nicht nur für Markt und eine Elite gibt es Studium und Lehre. Der Lebensraum wird so gestaltet, dass ihn alle auch gern beleben, vorbei die Zeit mit Villen und Privatgärten auf der einen Seite und winzigen, unangenehmen öffentlichen Anlagen und Sardinenbüchsenwohnungen auf der anderen. Die Natur bekommt mehr Raum, weil Menschen, Pflanzen und Tiere sich in Freiheit am besten aneinander erfreuen können. Unlogische und auf Kompensation abziehlende Merkmale kapitalistischer Gesellscahften, wie privatautozentrierter Verkehr könnten überwunden werden. Ein lückenloser öffentlicher Transport, viel mehr und bessere Fahrräder, weniger Verkehrstote und Verkehrslärm, und kindersichere Straßen als Ort des Transports, des Spiels, des Treffens wären die Folge.
Um Kinder, Kranke und Alte wird sich gleichmäßig und ausgibig gekümmert, es bleibt nicht unter-oder unbezahlt an hauptsächlich Frauen hängen. Alle können sich ein ausgeglichenes, freies und materiell gesättigtes Leben einrichten. Dadurch sinkt das gesellschaftliche Bedürfnis nach Gewalt rapide und die meisten Verbrechen, Eigentumsdelikte, könnten ganz verschwinden. Mit psychischen Problemen wird adäquat umgegangen, so können psychopathische und pädophile Neigungen früh erkannt und human geheilt werden. Soziale Angleichung müssen nicht lebensweltliche Gleichheit bedeuten, bunte, echte Individualität kann sich erst mit der Abschaffung der profitorientierten Wirtschaft entfalten.

3. Ein konkreter Weg: Kommunistischer Anarchismus


Die Zapatista sind 100.000 arme Bäuerinnen und Bauern in Mexiko, die sich basisdemokratisch selbstverwalten und mit anderen Bewegungen weltweit zusammenarbeiten und solidarisch handeln.

Bei Marx ist der Kommunismus kein anzustrebender Idealzustand, sondern eine momentane, reale Bewegung. Auch der anarchistische Kommunismus sieht sich als lebendige ArbeiterInnenklassentradition. Etwas, was jetzt stattfindet, und zwar in Medien und Schulbüchern verschwiegen wird, aber dennoch immer wieder sichtbar wird: Immer wenn sich Menschen zusammentun um gegen Ausbeutung aufzubegehren anstatt nach oben zu buckeln und nach unten zu treten.
Einige auch nicht explizit anarchstisch-kommunistische Konzepte von Anarchismus oder Kommunismus überschneiden sich: Viele AnarchistInnen sehen die Ablehnung des Kapitalismus als wichtigen Teil ihrer Idee, viele KommunistInnen sind anti-autoritär eingestellt. Dennoch macht es unserer Ansicht nach Sinn, sich explizit kommunistisch-anarchistisch oder umgekehrt zu bezeichnen: Diese Tradition bezieht sich positiv auf den Plattformismus, die anarchistische Lehren aus der sowjetischen Niederschlagung der Machnovchina-Bewegung in der Ukraine, wo Hundertausende Menschen ihre freie Gesellschaft im Zuge der russischen Revolution erkämpft hatten. Die Lehren beinhalten eine gewisse analytische und methodische Einigkeit anzustreben, weil die häufig überdiffuse anarchistische Bewegung sonst auf der Stelle tritt und zu leicht ausgespielt werden kann. So versuchen plattformistische Gruppen die verschiedenen sozialen Bewegungen (Umwelt-, Frauen-, LGBTTIQ-, ArbeiterInnen-, MieterInnen-, usw.) zusammenzubringen und zu radikalisieren. Sie versuchen die emanzipatorischen Bewungen mit ihren Analysen zu unterstützen, das Gegeneinander-Ausgespielt-Werden zu verhindern, Kampagnen zu initiieren und sind sich dabei aber auch bewusst, dass sie eine radikale Minderheit sind und wohl auch bleiben werden. Entsprechend wird kein Führungsanspruch erhoben, aber versucht mit den anderen Betroffenen von Ausbeutung gemeinsam eine emanzipatorische Kultur zu etablieren.