Archiv für Juli 2014

„Präfigurative Politik“ – Ein Begriff der in der deutschsprachigen Debatte fehlt

Bei der Übersetzung fällt mir ein Wort auf, das es auf deutsch nicht gibt: prefiguration. Übersetzt werden kann das Wort zwar mit „präfiguration“, „Vorwegnahme“, „Vorabbildung“ oder „Vorbild“, aber in der deutschen linken und anarchistischen Debatte fehlt das Wort heute völlig – was sehr nachteilhaft ist.

Ein Projekt auf der schäbischen Alb (http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/008568.html) befasste sich jedoch mit „präfigurativer Politik“, wie die korrekte, sperrige Übersetzung lautet, und berichtet von dessen außerordentlichen Bedeutung: Die Neue Linke seit den 60ern kam zu dem Schluss, dass sie nicht mehr nur wie die traditionelle Linke für eine neue Gesellschaft und eine Revolution kämpfen will, sondern die gewünschten Veränderungen direkt im eigenen Leben umsetzen möchte. Das ist „präfiguration“ – Vorabbildung. Warum brauchen wir den Begriff?

In der englischsprachigen anarchistischen Szene spielt der Begriff prefigurative politics eine große Rolle, bei uns nur dessen Inhalt aber nicht der Begriff selbst. Auch hier wird in Wohn- und Gartenprojekten, Punkkonzerten und -labels, Kneipenkollektiven und alternativen Festivals ‚vorabbildende Politik‘ betrieben. Doch ohne den Begriff können wir nicht über die Vor- und Nachteile, Grenzen und Möglichkeiten dieser Politik sprechen. Und ist heute in den Projekten gar nicht mehr klar, dass es diese und eine andere Form von Politik gibt!
Unter anderem deshalb übersetze ich die „Introduction to Anarchist Communism“! Dort wird der Begriff erklärt und seine Grenzen und Möglichkeiten aufgezeigt.

Die ersten 13 Seiten übersetzt

Die vorläufige Übersetzungs des Anfangs von „Introduction to anarchist communism“ Version 2013. Natürlich alles Creative Commons, frei verwendbar, nicht privatisierbar und nur unter Angabe der Quelle zu verbreiten. Vor kommerzieller Nutzung/Druck in großer Stückzahl bitte anfragen:

Einführung in den anarchistischen Kommunismus
von Anarchist Federation (UK)
1. Einleitung

Es gibt Vieles worüber man wütend sein kann. Das Massaker an Tausenden jedes Jahr in den Kriegen rund um den Globus. Das Hungern von sogar nochmehr Tausenden jeden Tag während Nahrung in Warenhäusern verrottet. Die Auslöschung von Spezies um Spezies während unsere Umwelt langsam zerstört wird. Die Millionen von Menschen die in Sweatshops missbraucht werden, bis ihr Körper und Geist verbraucht ist und sie auf den Müllhaufen geworfen werden. Die zahllosen Frauen die aufgrund des Geschlechts emotionaler, physischer und sexueller Gewalt unterworfen werden. Die große Anzahl derer, die Diskrimminierung und Unterdrückung nur aufgrund ihrer Hautfarbe ausgesetzt sind.

Und das sind nur die schockierenden Schlagzeilen. Der Hauptteil ist der, der jeder und jedem von uns Tag für Tag passiert. Wenn wir arbeiten, übergeben wir unsere Zeit und unsere Energie der Lauen und dem Kalküle* von einigen Firmen und ihren Managern. Wir haben keine Kontrolle über das, was wir Tag für Tag tun, bekommen keine Beiteiligung daran was wir produzieren. Wenn wir nicht arbeiten sind wir auf unangemessen geringe Bezüge angewiesen, knauserig von Leuten ausgegeben, die dazu ausgebildet wurden uns als arbeits-scheu und faul zu hassen. Unsere Leben werden anhand dem kontrollliert, was wir uns leisten können und was wir uns nicht leisten können und anhand der sinnlosen Pläne der Regierung die darauf besteht dass wir beweisen sollen dass wir nicht „schmarotzen“. Als Hausfrauen bekommen wir keine Anerkennung für die stundenlange Arbeit die wir verrichten, als Arbeitslose werden wir für etwas bestraft, wofür wir nichts können. Als Arbeitende werden wir herumkommandiert, jede Sekunde beobachtet die wir auf der Arbeit sind und am Abend zu müde nach Hause gelassen, um wirklich noch die Zeit, die wir für uns selbst haben genießen zu können.

Auf der einen Seite, Tod und Zerstörung im großen Maßstab. Auf der anderen Seite krasse Langweile und Entfremdung des täglichen Lebens. All diese verschiedenen Schrecken gehören zusammen, sind zwei Gesichter ein und desselben Systems. Es ist ein System, welche sich grundlegend entwickelt* hat, um uns gegenseitig an der Kehle des anderen zu packen. Es nutzt und übertreibt jeden winzigen Unterschied zwischen uns, lässt uns um Brosamen konkurrieren und uns verhasst gegeneinander kämpfen, während eine winzige Minderheit den Nutzen daraus zieht. Dieses System ist der globale Kapitalismus, ein Muster von wirtschaftlicher und politischer Ausbeutung welches in jeden Aspekt unseres Lebens hineinreicht. Es verwendet Sexismus, Rassismus, Homophobie und den ganzen anderen engstirnigen Hass und die Vorurteile um uns herum, um sich selbst zu beschützen. Es erzeugt Hierarchien von Macht und Wohlstand um alle Menschen, die es ausbeutet, gegen sich selbst zu spalten.

Kapitalismus ist das Problem. Alle von uns, die wir von ihm Ausgebeutet und Herabgewürdigt werden, sind die Lösung. Wenn wir uns durch unsere gemeinsame Ausbeutung vereinigen, werden wir eine Kraft die Kapitalismus nicht kontrollieren und nicht zerschlagen kann. Wir können eine neue Gesellschaft erschaffen, die die Bedürfnisse von allen von uns bedient, nicht nur die einer kleinen Minderheit.

In der Anarchistischen Föderation glauben wir, dass wir ein Teil dieses Kampfes sein können. Wir sehen uns als Teil einer Tradition, die sich durch die Geschichte des Widerstands gegen den Kapitalismus erstreckt, eine Tradition die die anarchistisch-kommunistisch genannt werden kann, obwohl nicht alle die in ihr involviert waren sich so genannt haben. Wir glauben, dass dieses Set an Ideen und Wege der Organisation unsre größte Hoffnung darauf ist, den Kapitalismus zu zerstören und etwas besseres zu erschaffen.

Wie das erste unserer Ziele und Prinzipien sagt, sind wir „eine Organisation von revolvutionären klassenkämpferischen Anarchisten. Wir zielen auf die Abschaffung von allen Hierarchien ab und arbeiten für die Erschaffung einer welt-weiten klassenlosen Gesellschaft: Anarchistischer Kommunismus.“ Diese Broschüre zielt darauf ab, zu erklären was das alles bedeutet und wie wir denken es erreichen zu können.

2. Was wir bekämpfen: Kapitalismus und Hierarchie

Kapitalismus

Viele einflussreiche Leute, von Zeitungsredakteuren bis Wirtschaftsprofessorinnen, werden dir erzählen dass der Kapitalismus „natürlich“ ist. Menschliche Wesen sind gierig, egoistisch und wetteifernd, deshalb muss ein Wirtschaftssystem auf Gier, Egoismus und Wettstreit aufgebaut sein. Ihrer Meinung nach ist der Kapitalismus ein System welches unser natürliches Verlangen nach Wettstreit und Dominanz verwendet um allen zu nützen, sogar den „Verlierern“ im Wettkampf. Die Wirtschaft wächst weil sklupelloser Wettkampf zwischen Firmen sie dazu zwingt, Neuerungen einzuführen und zu expandieren, Wohlstand aus Nichts zu erschaffen, welcher dann durch die Gesellschaft sickert.

Diese Propagandisten, das sind sie nämlich, sind sich uneinig darüber, ob das vollkommen „natürlich“ stattfinden kann, oder ob die Regierung eingreifen sollte um diesen Prozess zu mildern. Manche argumentieren, dass alles für den Wettstreit geöffent sein sollte – Krankenhäuser, Schulen, usw – so dass der Nutzen des Wachstums überall hin verbreitet wird. Andere, manchmal nennen sie sich sogar Sozialisten, argumentieren dass manche Dinge wie Gesundheitsversorgung und Bildung vom Staat betrieben werden sollte. Dieses würde eine gesündere und besser gebildete Arbeiterschaft für die kapitalistischen Firmen erzeugen und so diese wettbewerbsfähiger machen.

Diese Streits sind manchmal heftig, aber letztendlich stimmen beide Seiten in allem was wichtig ist überein. Manche Leute sollten die Fabriken, die Dienstleistungen und das Land, die die Grundlage für die Wirtschaft sind, besitzen und kontrollieren. Diese Leute sollten alle Entscheidungen fällen und sollten das meiste Vermögen bekommen, die diese Unternehmen erzeugen. Andere Leute sollten an diesen Orten unter der Kontrolle von Managern arbeiten. Sie sollten Befehle entgegennehmen, keine Entscheidungen treffen und sollten einen Lohn für ihre Arbeit erhalten.

Das ist das Wesen des Kapitalismus. Eine kleine Gruppe von Leuten kontrolliert die Orte an denen wir arbeiten, das land das unsere Nahrung produziert, die Fabriken die uns unsere Kleidung und alles macht, was uns zu leben ermöglicht. Diese Leute sind die herrschende Klasse und ihre Macht kommt von ihrer Kontrolle über die Produktionsmittel, die Rohstoffe und die Ausrüstung die gebraucht werden um die Dinge herzustellen, die wir brauchen. Alle anderen müssen in auf den Feldern und in den Fabriken arbeiten, in den Callcenters und in den Bürogebäuden. Wir sind die arbeitende Klasse und in diesem System wenden wir die Produktionsmittel an. Wir liefern die Arbeit, die diesen Feldern und Fabriken, Callcenters und Bürogebäuden erlauben, Güter und Dienstleistungen, zu produzieren, Waren für die herrschende Klasse, die sie dann für Profit verkauft.

Kapitalismus ist außerdem ein System der Ausbeutung. Es ist ein Klassensystem wo die Mehrheit, die arbeitende Klasse, von einer Minderheit, der herrschenden Klasse, ausgebeutet wird. Sie treffen die Entscheidungen darüber, welche Produkte die Fabriken herstellen oder welche Dienstleistungen bereitgestellt werden und sie treffen die Entscheidungen darüber wie die Arbeit organisiert wird. Die arbeitende Klasse sind alle Leute, die gezwungen sind an diesen Orten zu arbeiten um Geld zu verdienen, welches sie zum Leben brauchen. Wir, die arbeitende Klasse, stellen alles her und sorgen für alles, was die Gesellschaft braucht um zu funktionieren. Sie, die herrschende Klasse, saugen den Profit aus unserer Arbeit. Wir sind der Körper der Gesellschaft, sie die Schmarotzer die uns leersaugen.

Klassenkampf

Im kapitalistischen System sind die Interessen der herrschenden Klasse und der arbeitenden Klasse immer gegensätzlich. Die herrschende Klasse versucht uns besser in der Griff zu bekommen, mehr Kontrolle über uns zu erlangen um mehr Profit zu bekommen. Die arbeitenden Klasse versucht sich aus der Kontrolle unseren Chefs und unserer Regierung herauszuwinden, versucht Kontrolle über unser eigenes Leben zu gewinnen. Es wird immer Konflikt zwischen diesen Gruppen geben, ob im Kleinen oder auf Massenebene.

Dieser Konflikt nimmt viele Formen an. Am offensichtlichsten geschieht er an unseren Arbeitsplätzen. Streiks wegen Löhnen oder Arbeitsbedingungen lassen die Interessen einer Gruppe von Chefs gegenüber denen einer Gruppe von Arbeitenden antreten. Klassenkampf ist jedoch mehr als das. Der Kapitalismus versucht die Kontrolle über und Profit aus allen Aspekten unseres Lebens zu ziehen. Unsere Wohungen werden für Profit gekauft, verkauft und vermietet. Unsere Nahrung die wir essen und die Getränke welche wir trinken sind in Privatbesitz und werden privat kontrolliert. Unsere Umwelt wird zu einer riesigen Müllhalde für die Industrie, nur noch danach bewertet ob sie Profit bringt und nicht danach wie sie unser Leben ermöglicht und bereichert. Immer wenn wir für die Kontrolle über einige Aspekte unseres Lebens kämpfen, beteiligen wir uns am Klassenkampf. Wenn wir für unsere Communities oder unsere Umwelt kämpfen, dann kämpfen wir den Klassenkampf.

Daraus folgt, dass wir den Begriff der Klasse nicht auf die gleiche Weise verwenden, wie viele Anderen, vor allem in der Presse, es tuen. Bei „Klasse“ geht es nicht darum, dass manche mehr verdienen als andere oder dass manche auf verschiedene Schulen gehen. Diese hauptsächlich soziologischen Definitionen von Klasse – Werber, Manager und anderer Abschaum lieben diese Definitionen – werden verwendet um die wahre Natur der Klasse zu verbergen. Wir sehen die arbeitende Klasse nicht nur als Leute mit traditionellen Handarbeiter oder Industriejobs – ob jemand momentan nicht arbeitet aber von magerer staatlicher Unterstützung abhängig ist (und so ständig unter Druck wieder Arbeit zu finden), in der Ausbildung ist (Vorbereitung zum Arbeiten) oder von der Pension/Rente lebt (aufgeschobener Lohn), dann ist ihre Situation offensichtlich sehr verschieden von den „faulen Reichen“ die in der Lage sind ein komfortables Leben auf dem Rücken von anderen zu leben, so wie Großgrundbesitzer. Genauso haben Leute, die traditionell als Mittelkasse gesehen werden, wie Lehrer, keine wirkliche Kontrolle über ihr Leben und die Arbeit die sie verrichten und sind dazu gezwungen gegen ihre Arbeitgeber zu kämpfen wie der Rest der arbeitenden Klasse.

Diese Verwirrung über den Klasse-Begriff ist Teil einer breiten Taktik, die die herrschende Klasse verwendet, um die Realität der Klassen für die Leute zu verschleiern, die sie ausgebeutet. Der Kapitalismus braucht Arbeiter_innen, aber Arbeiter_innen brauchen den Kapitalismus einfach nicht. Wenn die arbeitende Klasse sich entlang ihrem eigenen Intresse vereinigt, dann kann sie die herrschende Klasse abschaffen und die Gesellschaft selbst organisieren. Wir brauchen sie nicht, aber sie brauchen uns. Deshalb arbeitet die herrschende Klasse hart, um uns gegeneinander aufzuspalten. Sie tut das auf zwei verschiedene Wege, teilweise durch den Versuch Ideen zu beeinflussen und die Art wie wir über uns selbst denken und teilweise dadurch, dass sie kleine Unterschiede an Macht und Wohlstand schafft, welche die arbeitende Klasse gegeneinander aufbringt.

Dinge wie Nationalismus, die Idee dass wir dem Staat in einem Land gegenüber loyal sein sollen, nur weil wir dort geboren wurden, oder eine „Arbeitsmoral“, die Idee dass wir dem Chef der uns ausbeutet einen anständigen Arbeitstag schulden, werden von der herrschenden Klasse verwendet um die arbeitende Klasse zu spalten und um manchen von uns das Gefühl zu geben, wir seien dem Chef gegeüber loyaler als die Leute um uns herum. Nationalismus spaltet die Arbeiter_innen in einem Land von den Arbeiter_innen in einem anderen und liegt an der Wurzel von Rassismus, welches die Arbeiter aufgrund der Hautfarbe spaltet. Die Arbeitsmoral bindet uns an den Chef anstatt an uns gegenseitig und lässt manche die „faulen“ arbeitslosen beschuldigen anstatt die Schuld dort zu sehen wo sie tatsächlich ist.

Die Verwendung dieser Ideen um die arbeitende Klasse zu spalten wird dadurch verstärkt, dass Macht und Wohlstandsunterschiede erzeugt werden, um diese zu unterstützen. In großem Maßstab werden Arbeiter_innen im Westen dazu gebracht mit den im globalen Süden zu konkurrieren, indem Fabriken auf der Suche nach billigerer Arbeitskraft in den Süden ziehen. In kleinerem Maßstab wird einzelnen Arbeiter_innen etwas mehr Gehalt bezahlt, damit sie Aufseher werden und dann so enden, dass sie die anderen herumscheuchen, nur um das bisschen zusätzlicher Bezahlung zu behalten. Dinge wie diese passieren auf viele verschiedene Art und Weisen, haben aber alle gleiche Wirkung. Leute aus der arbeitenden Klasse konkurrieren um Krümel, während die herrschende Klasse riesige Profite abschöpft und uns ein paar Reste hinwirft, damit wir weiter gegeneinander kämpfen anstatt gegen sie.

Den Klassenkampf zu kämpfen heißt also, zu versuchen diese falschen Unterschiede zu überwinden und sich als eine Klasse gegen die zusammenzuschließen die uns ausbeuten. Dieser Prozess läuft die ganze Zeit. Manchmal werden wir stark und schließen uns als eine Klasse zusammen und erreichen Zugeständnisse wie kürzere Arbeitstage, Gesundheitsversorgung und so weiter. Die herrschende Klasse wehrt sich und nutzt unsere Spaltung um diese Einigkeit zu brechen, die Klasse zu schwächen und die von uns erzielten Erfolge rückgängig zu machen, oder sogar noch schlimmer: Diese gegen uns zu verwenden. Dieses hin und her zwischen der herrschenden und der arbeitenden Klasse wird weiter gehen bis der Kapitalismus überwunden ist.

Der Staat

Eine der Dinge die die Ausbeutung ermöglicht und eines der wichtigsten Werkzeuge um die arbeitende Klasse gespalten zu halten ist der Staat. Der Staat besteht aus allen Einrichtungen des Regierens. Das Parlament, die sozialen Dienste, die Gerichte, die Steuereintreiber und so weiter sind alle Teile des Staates. Diese Institutionen regulieren und steuern das Leben der „Bürger“, also dich und mich, um dem Kapitalismus zu nützen. Der Staat ist das organisierte Gesicht des Kapitalimsus. Er ist die politische Vertretung der wirtschaftlichen Kraft der herrschenden Klasse. Wenn der sogenannte freie Markt etwas nicht ereichen kann, was das Kapital zum Wachstum braucht, dann betritt der Staat die Bühne und verwirklicht es.

Es gibt viele wege wie er das tun kann. Das Parlament beschließt Gesetze, die das Eigentum der Reichen schützen während sie die Möglichkeit der Armen sich zu wehren beschränken. Er handelt als Schiedrichter in Konflikten zwischen kapitalistischen Firmen und setzt Handelsregeln, damit verschiedene Unternehmen sich gegenseitig vertrauen können. Steuergelder werden verwendet, um für das Business notwendige Dienstleistungen zu erschaffen, welche diese sich aber nicht selbst aufbauen kann: Straßen und Transportsysteme, Schulen um ausgebildete Arbeiter_innen zu haben, Stromversorgung und eine Kanalisation (welche später für private Profite verkauft werden), kurz alles, was Business ermöglicht. Er kann die Volkswirtschaften von Entwicklungsländern mithilfe des Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Weltbank zerstören, so dass Firmen immer einen Vorrat an Rohstoffen und Arbeiter_innen haben, die sie ausbeuten können. Da der Staat die legale und physische Infrastruktur aufbaut, die der Kapitalismus benötigt um Arbeiter_innen, die ihre Situation verbessern wollen, direkt anzugreifen, ist er ein wichtiges Werkzeug für die kapitalistische Klasse.

Wichtig ist dabei, dass der Staat Oganisationen steuert, die direkt Leute aus der arbeitenden Klasse steuern und coerce*. Die Armee und die Polizei verwenden am offensichtlichsten direkte Gewalt um Menschen auf Linie zu halten (keep in line*), da die Polizei zuhause Streiks und Köpfe (heads*) bricht und die Armee den Kapitalismus im Ausland erzwingt. Auch Schulen, während sie einen wichtigen Dienst erbringen, indoktrinieren Kinder und bereiten sie eher auf ein Leben als Arbeiter_innen vor als auf eines als Menschen. Gefängnisse, Ausländerbehörden, Arbeitsämter und so weiter und so weiter, alle greifen in unser Leben ein und steuern unsere Handlungen. Von manchen dieser Dinge, wie Schulen, Krankenhäuser und Sozialleistungen, hängt manchmal unser Leben ab. Oft ist es genau diese Abhängigkeit, die diese Organisationen ausnutzen um uns unter Kontrolle zu halten. Sozialleistungen werden an Bedingungen geknüpft, die diktieren was wir tun können und was nicht. Schulen geben uns das Wissen das wir brauchen um die Welt zu verstehen, aber sie gewöhnt uns auch daran Disziplin zu akzeptieren und daran den ganzen Tag voller Langeweile zu ertragen, wo uns eine Autoritätsfigur erzählt, was wir sein müssen.

Manche Leute argumentieren damit, dass der Staat so handelt weil er unter der Kontrolle der Kapitalisten steht. Sie sagen, dass wenn der Staat unter der Kontrolle einer Gruppe stände, die die arbeitende Klasse repräsentieren würde, normalerweise eine revolutionäre Partei oder so, dann würde er sich anders verhalten. Das lässt aber einen wichtigen Aspekt des Staates außer acht, der in allen Organisationen die er kontrolliert gesehen werden kann. Der Staat wurde dazu geschaffen von oben herab zu regieren; er ist von seiner innersten Natur aus hierarchisch. Das bedeutet dass er immer die Macht in den Händen einer Minderheit konzentriert. Wenige Leuten geben die Befehle und viele gehorchen. Wir können das in der Armee und der Polizei sehen, wo ein imenser Machtunterschied zwischen den Rängen besteht und wo Befehle ohne jede Hinterfragung strickt ausgeführt werden müssen. Aber das trifft auch auf alle anderen Arme des Staates zu.

Aus diesem Grund wird sich jede Gruppe, die den Staat übernimmt, automatisch darin wiederfinden, die Menschen die sie zu vertreten beanspruchen zu beherrschen anstatt zu befreien. Das ist was Staaten tun. Ein Staat ist eine Maschine um Menschen zu kontrollieren und kann niemals etwas anderes sein. Das tut er nicht nur wegen den repressiven und manipulativen Organisationen, die er steuert, obwohl diese viel wichtiger für ihn sind er uns glauben lässt. Sondern auch weil der Staat immer hierarchisch organisiert ist und deshalb eher die anderen Hierachien der Gesellschaft fördern wird, als sie zu zerstören.

Hierarchie

Hierarchie ist eine der Schlüsselinstrumente von Staat und Kapitalismus um Menschen zu kontrollieren. Sie ist sowohl in den repressiven wie auch den manipulativen Armen des Staats inbegriffen, aber sie ist am destruktivsten wenn sie verwendet wird um Leute zu manimpulieren. Jedes System, wo die Macht über Andere in den Händen einer Minderheit gebündelt wird, ist eine Hierarchie. Alle kapitalistischen Arbeitsplätze zum Beispiel sind Hierarchien, mit Chefs an der Spitze und allen anderen darunter. Oft gibt es winzige Unterschiede der Verantwortung, welche dazu führen dass Manchen ein winziges bisschen Macht über Andere bekommen. Vorstandsmitglieder beaufsichtigen Manager, die noch mehr Manager beaufsichtigen, die Aufseher beaufsichtigen, die noch mehr Aufseher beaufsichtigen, die letzendlich möglicherweise 6 Menschen für 10 Cent mehr die Stunde „leiten”.

Dies ist eine wichtige Methode wie Kapitalismus Hierchien erschafft und verwendet um Arbeiterklassenangehörige zu spalten. Wir bekommen ein wenig Macht über einander so dass wir schließlich lieber gegeneinander kämpfen als gegen die Bosse.

Es gibt jedoch auch Hierachien in der Gesellschaft, die nicht vom Kapitalismus geschaffen wurden und die ihre eigene abgetrennte Existenz und Geschichte haben. Die Unterdrückung von Frauen ist Tausende von Jahren alt und zeigt sich in verschiedenen Formen in Hunderten von verschiedenen Gesellschaften. Dieses System der Unterdrückung und Ausbeutung welches auf verschiedenste Arten Frauen unter die Herrschaft der Männer stellt wird Patriachat genannt. Die Unterdrückung von LSBTTIQ-Menschen1, von allen, die nicht in die heterosexuelle, monogame Geschlechternorm passen, ist Jahrhunderte alt. Wenn diese nicht nur die die Herrschaft über Menschen anstrebt, sondern auch die Auslöschung derer die nicht der Norm entsprechen, ist sie sogar noch grausamer als das Patriarchat. Rassismus und Konstruktionen „des Anderen”, wie z.B. der weißen Vorherrschaft, sind zwar nicht so alt, aber nicht weniger schlimm, hinterlassen sie doch das Vermächtnis der Sklaverei und Ausbeutung, die das Leben von Millionen zerstört hatte.

All diese Systeme der Unterdrückung und Ausbeutung, und viele weitere, müssen von denen, die darunter leiden, unter ihren eigenen Bedingungen selbst bekämpft werden. So wie nur die besitzlose Klasse gegen Kapitalismus kämpfen kann, weil wir die sind, die direkt ausgebeutet werden, so können nur Frauen, LSBTTIQ-Leute und die von Rassismus Betroffenen Patriarchat, Heterosexismus und weiße Vorherrschaft zerstören. Wir können uns gegenseitig in diesen verschiedenen Kämpfen unterstützen, aber es ist entscheidend dass die direkt Betroffenen Form und Struktur ihrer Gegenaktion betimmen. Organisationen von Frauen, Schwulen, Schwarzen und ethnischen Minderheiten (die oft in Wirklichkeit Mehrheiten darstellen) sind absolut unerlässlich beim Widerstand gegen und der Zerstörung von verschiedenen Systemen der Hierarchie.

Wir sollten uns dennoch nicht vergessen dass all diese Systeme der Unterdrückung zusammenarbeiten um die Welt wie wir sie kennen zu bilden. Der Kapitalismus wurde vom Patriarchat aufgerichtet, welches die besitzlose Klasse spaltet (Männer gegen Frauen), manchen Macht über andere verleiht (Männer bekommen häufiger besser bezahlte und überwachende Arbeiten), und Leute dazu zwingt unzählige Stunden von wichtiger aber unbezahlter Arbeit zu leisten (Hausarbeit und Kindererziehung sind für die Wirtschaft unerlässlich, werden aber meistens von Frauen kostenlos geleistet). Das Patriachat wird vom Kapitalismus gestützt indem die Medien Stereotype von Frauen reproduzieren um Kosmetik und Parfüm zu verkaufen und indem Unternehmen die Rolle der Hausfrau erschaffen um ungewollte Frauen vom Arbeitsplatz auszugrenzen, in schlechtere Arbeiten abzudrängen oder durch unbezahlte Care-Arbeit auszubeuten.* Rassismus ermöglicht kapitalistischen Staaten die Invasion und Plünderung verschiedener Ländern für Rohstoffe und neue Märkte zu legitimieren und die Arbeiterklasse zu Hause zwischen weiß und schwarz, migrantisch und einheimisch aufzuspalten. All diese Formen der Ausbeutung und Unterdrückung, all diese Hierarchien, verstärken und beeinflussen sich gegenseitig, weshalb es unmöglich ist sie unabhängig von einander getrennt zu betrachten.

Aus diesem Grund ist es unmöglich einfach nur den Kapitalismus zu bekämpfen oder nur Rassismus oder nur Sexismus und so weiter und so fort. Erfolge die in einem System erzielt werden, werden von einem anderen vernichtet. Zum Beispiel haben Frauenkämpfe für Gleichberechtigung bei der Arbeit oft dazu geführt dass Frauen durch Hausarbeit und langen Arbeitsstunden doppelt belastet sind. Die Rebellion der Schwarzen erzielte in den 1960ern politische Gleichheit, aber erschuf ebenso eine neue schwarze Führungsschicht, welche Teil der herrschenden Klasse wurde, während alle anderen zurückgelassen wurden.

Kapitalismus ist also mehr als ein Klassensystem. Die Macht der herrschenden Klasse liegt im Besitz der Produktionsmittel begründet, aber um diese Macht zu behalten manipuliert die herrschende Klasse eine ganze Serie von verschiedenen Systemen der Unterdrückung und Ausbeutung, von Hierarchien. Diese Systeme geben manchen Mitgliedern der Arbeiterklasse mehr Macht als anderen und macht uns so zu Komplizen unserer eigenen Ausbeutung. Im 19. Jahrhundert gab es den Slogan: „Arbeiter der Welt vereinigt euch, ihr habt nichts zu verlieren außer eure Ketten.” Die Art und Weise wie der Kapitalismus, das Patriarchat, die weiße Vorherrschaft und andere Hierarchiesysteme miteinander funktionieren führt dazu dass das nicht stimmt. Diese Systeme geben großen Teilen der Arbeiterklasse nur ein klein wenig an Privilegien. Das reicht aus, um sie gegen die Leute zu wenden, mit denen sie vereinigt sein sollten; reicht aus, um sie dazu zu bringen die herrschende Klasse gegen die Forderungen von Frauen, LSBTTIQ Leute, Schwarze und Angehörige von ethnische Minderheiten/Mehrheiten und so weiter zu verteidigen.

Um dies zu überwinden brauchen wir eine revolutionäre Bewegung die aus vielen verschiedenen Organisationen besteht. Wir brauchen viele verschiedene Arten in denen Leute die Kontrolle über ihr eigenes Leben zurückgewinnen können und die verschiedenen Unterdrückungsformen, die sie unten halten, bekämpfen können. Wir müssen die Gesellschaft und uns selbst vollständig transformieren. In der Anarchist Federation glauben wir, dass die Ideen des Anarchistischen Kommunismus die beste Möglichkeit anbietet, dies zu tun. Der nächste Abschnitt legt diese Ideen dar.

Wer wir sind und was wir glauben: Revolution und Anarchistischer Kommunismus!

Revolution und Revolutionäre

Revolutionäre glauben dass die Gesellschaft in der wir leben grundsätzlich ungerecht und unfair ist. Es ist nicht nur eine Sache dieser Ungerechtigkeit oder jener Unfairness – es ist das gesamte System wie die Gesellschaft funktioniert, welches ungerecht und unfair ist. Armut, Krieg, Rassismus, Sexismus und der ganze Rest der Probleme, denen wir ausgesetzt sind, sind nicht die Ausnahme der Regel sondern die Regel. Kapitalismus kann nicht existieren ohne Armut zu erzeugen, ohne Kriege zu führen, ohne Menschen aufgrund deren Geschlecht oder deren Hautfarbe zu unterdrücken.

Wir glauben dass Kapitalismus zerstört werden muss und die neue Gesellschaft, eine anarchistisch kommunistische Gesellschaft, erschaffen werden muss. Das ist die Revolution. Sowohl die Zerstörung dessen was jetzt existiert wie auch der Aufbau von etwas neuem ist Teil der Revolution. Als Revolutionäre arbeiten wir daran, zu beidem zu ermutigen: wir unterstützen Leute, die die Mächtigen herausfordern genauso wie Leute die versuchen Alternativen aufzubauen.

Weil Kapitalismus von Grund auf unfair und ungerecht ist, glauben Revolutionäre nicht daran, ihn durch graduelle Reformen zu verändern. Das heißt Reformismus. Das heißt nicht, dass ein Mindestlohn oder ein kürzerer Arbeitstag oder das Recht auf Abtreibung bei Bedarf nicht wichtig sind. Diese Reformen und viele weitere haben das Leben der einfachen Leute verbessert. Revolutionäre wollen nicht sagen, dass das Leben sich seit dem viktorianischen Zeitalter* nicht verbessert hat – das wäre dumm. Was wir sagen wollen sind zwei Dinge.

Erstens ist keine Reform von Dauer. Jede Reform kann und wird von PolitikerInnen und Chefs zurückgenommen werden, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Die Angriffe auf die Bürgerrechte, auf Arbeitsbedingungen und auf öffentliche Dienstleistungen, die wir von Zeit zu Zeit sehen, sollten außreichen, um das zu beweisen.

Zweitens werden Reformen von Regierungen nur dann durchgeführt, wenn sie Angst vor etwas schlimmeren haben: einer Massenbewegung von gewöhnlichen Leuten der arbeitenden Klasse. Immer wieder mussten sich Millionen von Menschen zusammenschließen um auch nur die grundlegensten Reformen durchzusetzen. Der Zehnstundentag, Rechte für Frauen und Kinder, sogar der Sozialstaat – sie alle stellen durch Massenbewegungen von Regierungen abgerungene Zugeständnisse dar. Es gibt nichts wovon sich Regierungen so sehr fürchtet wie davor, dass die Leute sie irgnorieren und einfach selbst ihre Angelegenheiten in die Hand nehmen. Direkte Aktion ist es, wenn Leute selbstständig handeln, ohne auf die Erlaubnis von irgendeiner höheren Autorität warten. Regierungen werden fast alle Zugeständnisse dafür eingehen um solche Bewegungen aufzuhalten.

Deshalb werden Revolutionäre oft als Utopist*innen angegriffen, als würden sie sich unrealistische, perfekte Welten ausmalen, die niemals wahr werden können. „Ihr solltet praktikabel sein” sagen uns solche Leute. „Konzentriert euch auf Ziele im Hier und Jetzt und nicht auf fantastische Luftschlösser der Zukunft. Wenn Leute solche Sachen sagen, wenn sie uns erzählen wir sollten „praktikabel” oder „realistisch” sein, meinen sie normalerweise dass wir unsere Prinzipien aufgeben sollen. Regierungen nach Regierungen greifen öffentliche Dienstleistungen im Namen des „Pragmatismus” an; die Gewerkschaften verkaufen sich an die Firmenleitungen weil es „praktikabel” ist, autoritäre Revolutionäre wie die Socialist Workers Party belügen ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit, weil sie „realistisch” sind*.

Wenn es das ist, was „pragmatisch sein” heißt, dann wäre das schon genug um es abzulehnen. Aber es gibt mehr als das. „Praktikabel” auf diese Weise zu sein, also Kompromisse und Deals mit den Chefs und Politikern zu machen, ist ein todsicherer Weg um das nicht zu bekommen was wir wollen. Wie wir immer wieder gesehen haben, führt jeglicher Deal, der mit dem Kapitalismus gemacht wird, zwingendermaßen zu einem Rückschlag. Du macht keinen Fortschritt indem du mit den Chefs verhandelst. Du machst Fortschritt indem du ihnen Angst machst. Anarchistische Kommunisten glauben dass es besser ist für das zu kämpfen, was wir wollen, auch wenn wir es nicht direkt erreichen, als für etwas zu kämpfen, was wir gar nicht wollen, und dafür es zu erreichen.

Massenbewegungen, die auf der Grundlage ihrer eigenen Bedürfnisse ihre Forderungen stellen sind für die herrschende Klasse viel furchteinflößender als noch so viele jammernde Bürokraten, die „realistisch” sind und nett um ein paar Krümel vom Tisch der Chefs bitten. Wir wollen keine Krümel; wir wollen die ganze Mahlzeit, und die Küche die sie gekocht hat, das Haus in dem sie serviert wurde, die Felder auf denen sie gewachsen ist, die Fabriken die die Teller hergestellt hat und so weiter und so weiter. Wir weigern uns nett um Dinge zu bitten, die schon uns gehören. Das ist nicht nur eine Frage des Prinzips; es ist praktikabel. Leute die nach Krümeln betteln bekommen nichts anderes und oft nichtmal das. Wenn wir daran arbeiten zu nehmen, was bereits uns gehört, dann ist die herrschende Klasse dazu gezwungen weit mehr zuzugestehen als nur Krümel.

Anarchismus und AnarchistInnen

Anarchismus ist eine Sammlung von revolutionären Ideen die es in der einen oder anderen Form seit Jahrhunderten gibt. Im Kern sind sie sehr einfach. Anarchist_innen sind überzeugt, dass Leute sehr wohl in der Lage sind, nach sich selbst zu schauen. Kein Führer kann besser wissen was du willst als du selbst. Keine Regierung kann die Interessen einer Gemeinschaft besser kennen als die Gemeinschaft selbst. Wir finden dass jede und jeder in den Entscheidungen teilnehmen sollte, die sie oder ihn betreffen, sowohl bei der arbeit, als auch in der Community** oder zu Hause. Nur so können wir eine faire und gerechte Gesellschaft haben, wo jede und jeder die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung hat.

Die Gesellschaft funktioniert heute offensichtlich nicht auf diese Weise. Bei der Arbeit machen wir das was uns gesagt wird oder werden gefeuert. Zu Hause schnüffeln die Polizei, die Steuereintreiber und andere Arme des Staates in unsere Angelegenheiten und sagen uns was wir tun können und was nicht. Wir treffen keine Entscheidungen darüber wie wir arbeiten, wo unsere Steuern hinfließen, welche Gesetze erlassen werden und so weiter.

Für Anarchistinnen und Anarchisten ist die Kontrolle über unser eigenes Leben zurückzuholen die Revolution. Für uns gibt es zwei Arten der politischen Arbeit, um ein Schlüssel dazu zu sein: Direkte Aktion und Selbstorganisation. Direkte Aktion findet statt wenn diejenigen, die direkt von etwas betroffen sind, selbst aktiv werden um dagegen vorzugehen, anstatt andere darum bitten das für sie zu tun. Ein Streik der das Unternehmensleitung mit der Bedrohung der Produktionsausfälle zu Zugeständnissen zwingt ist direkte Aktion, wohingegen Lobbyarbeit an Parlamentsabgeordnete und Gewerkschaftsverhandlungen es nicht sind. Ungenutztes Land zu besetzen und es zu einem Gemeinschaftsgarten zu machen ist direkte Aktion, wogegen den Stadtrat unter Druck zu setzen frei Grundstücke zu vergeben es nicht ist. Wenn Leute selbst handeln, um etwas zu erreichen das sie brauchen, dann ist das direkte Aktion, ob es nun das Teilen von Essen miteinander ist oder das Bekämpfen der Polizei in einer Straßenschlacht.

Damit direkte Aktion wirksam sein kann braucht es also also Selbstorganisation. Das heißt organisieren ohne Anführer oder falsche „Stellvertreter” und es erlaubt normalen Leuten sich die Macht zurückzunehmen und ihre eigenen Entscheidungen zu fällen. Selbstorganisation erlaubt uns die Hierarchien, die uns trennen, niederzureißen und zu überwinden. In selbstorganisierten Gruppen haben alle geleichermaßen das Sagen und niemand hat das Recht andere zu vertreten.
Diese Art von Gruppe ist dazu fähig über seine eigenen Bedürfnisse zu entscheiden und direkte Aktionen einzugehen um diese auf eine Art und Weise zu erfüllen wie es keine auf Stellvertretern aufgebaute hierarchische Gruppe, wie eine Partei oder eine Gewerkschaft, kann. Deshalb lehnen wir es deshalb ab mithilfe des Staates, also der Regierung, des Parlaments, der Gerichte, der Polizei uns so weiter, eine Revolution herbeiführen zu wollen. Niemand kann jemand anderes befreien. Wir alle müssen uns selbst befreien indem wir zusammen agieren. Keine Regierung, nicht mal eine ‚sozialistische’ oder ‚revolutionäre’, kann das tun. Jede Gruppe oder Partei die den Staat übernimmt wird einfach eine neue Riege von Führern, die uns dann im Namen des ‚Sozialismus’ anstatt im Namen des ‚Capitalismus’ ausbeuten. Das ist sogenannt „kommunistischen” Russland passiert. Nur indem wir den Staat zerstören, nicht in dem wir in übernehmen, können wir uns selbst befreien. Für Anarchistinnen und Anarchisten sind direkte Aktion und Selbstorganisation essenzielle Werkzeuge der Selbstbefreiung. Auf diese Weise können die Leute der Arbeiterklasse die Probleme in ihrem eigenen Leben auf eine kollektive Art konfrontieren, diese Weise ist es uns möglich gegen das ganze System des Kapitalismus zusammenzuarbeiten und gegen seine Versuche uns zu spalten vorzugehen.

Anarchistischer Kommunismus

Diese Ideen wurden nicht einfach aus der Luft gegriffen. Sie wurden von Millionen von Menschen über die letzten Jahrhunderte entwickelt während sie gegen die Ausbeutung kämpften mit der sie konfrontiert wurden. Diese Tradition beschrieb sich selbst oft, aber nicht immer, als kommunistisch. Anarchistischer Kommunismus ist eine lebendige Arbeiterklassentradition der welche während der Geschichte des Kapitalismus durchgehend funktionierte – im großen Stil oder im Kleinen. Er entsteht nicht aus den abstrakten Ideen einiger Intellektueller sondern aus den konkreten Aktionen von Millionen von Menschen.

Viele bringen das Wort Kommunismus nur mit der Tyrannei Sowjetrusslands oder der sogennant kommunistischen Volksrepublik China in Verbindung. Diese Gesellschaften gehörten und gehören zu den schlimmsten Gewaltherrschaften die die Welt je gesehen hat da sie die Millionen von Menschen durch Hunger, Krieg und Hinrichtungen töteten. Als AnarchistInnen vergessen wir nicht die Gefangenlager, die Sklavenarbeit, die ungerechten Verfahren und Hinrichtungen, schließlich waren AnarchistInnen oft die Ersten die unter diesen Angriffen litten.

Im Gegensatz zur Presse jedoch, die das Beispiel der „kommunistischen” Sowjetunion heranziehen um zu behaupten, revolutionärer Wandel wäre unmöglich, weigern sich AnarchistInnen auch die Millionen von einfachen Menschen zu vergessen, die in Russland und überall auf der Welt im Namen des echten Kommunismus gegen die Tyrannei gekämpft haben. Diese Menschen organisierten sich selbst und ohne Oberhaupt in Gruppen mithilfe direkter Demokratie, was bedeutet dass alle gleichermaßen das Sagen darüber hatten wie die Dinge laufen sollten. Sie verwendeten direkte Aktionen erst gegen Staat und Kapital und später gegen die neue Sowjettyrannei.

Der echte Kommunismus für den sie kämpften ist die Erweiterung dieser Art zu Arbeiten auf jeden Aspekt des Lebens. Die kommunistische Parole „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” fasst die Idee zusammen. Niemandem sollte es an etwas fehlen dass sie oder er braucht. Individuen erhalten Güter und Dienstleistungen je nach dem wie sehr sie diese brauchen und nicht danach wie viel sie dafür bezahlen können oder wie viel sie davon verdienen. Und Menschen geben es der Gesellschaft durch die Arbeit zurück, die sie wollen und tun können. JedeR wird die Möglichkeit haben interessante und kreative Arbeit zu tun, anstatt dass nur eine Minderheit dies kann während alle anderen in langweiligen, mühsamen Arbeitsverhältnissen feststecken.

Diese Gesellschaft würde durch lokale Kollektive und Räte organisiert; Selbstorganisation um die Entscheidungen zu treffen die getroffen werden müssen und die Arbeit zu tun die getan werden muss. Alle können bei Entscheidung die sie betreffen mitreden. Wir glauben dass wir, wenn wir für eine solche Zukunft kämpfen, wir für die volle Freiheit und Gleichheit von allen kämpfen. Nur so bekommen alle die Möglichkeit zu sein was sie auch sein wollen.

Es sind die vielen Beispiele von Menschen die sich auf auf diese Weise organisieren und so Widerstand leisten, welche wir eine kommunistische Tradition nennen. Die Arbeiterräte des revolutionären Spaniens, Deutschlands, Russlands, Ungarns, Frankreichs, Mexicos und so weiter und so weiter sind die Beispiele die wir betrachten wenn wir darüber nachdenken wie wir uns befreien können und wie wir Kapitalismus bekämpfen können. Immer wieder hat die Welt einfach Leute gesehen, die direkte Aktion, Selbstorganisation und direkte Demokratie verwenden um selbst neue Gesellschaften und Lebensformen aufzubauen. Auf den Ideen und Erfolgen dieser Leute versuchen wir in unseren heutigen Kämpfen gegen Ausbeutung aufzubauen.

Anarchistischer Kommunismus ist mehr als eine abstrakte Vision der Zukunft und es ist mehr als Nostalgie für die revolutionären Bewegungen der Vergangenheit. Es ist eine lebendige Arbeiterklassentradition welche im hier und jetzt die Grundlagen für die Zukunft legt. Alles was wir nach dem Kapitalismus sein werden müssen wir unter seiner Herrschaft lernen und durch den Kampf gegen ihn. Die Revolution ist kein unbeschriebenes Blatt und kann niemals eines sein; darauf liegen zuviele Tote des „revolutionären” Terrors in Frankreich, Russland, China und so weiter. Stattdessen muss die Revolution aus de Materialien gemacht sein, welches die heute lebenden Leute zur Hand haben.